Testbericht: MP3 ist tot! Es lebe Ogg Vorbis!

MP3 ist tot! Es lebe Ogg Vorbis!
Artikel zum aktuellen Thema:
Fortschritte in der verlustbehafteten Audio-Datenreduktion
08.09.2002
von Markus Fiedler

Eine schöne Überschrift. Sie nimmt vorweg was in diesem Text zu lesen ist. Leider stimmt sie (noch) nicht ganz. Selbstverständlich ist MP3 nicht tot. Und das insbesondere deswegen, weil hunderttausende verstreut über den gesamten Erdball dieses Audiodatenreduktionsformat speziell im Internet intensiv nutzen. Dennoch wird aus den folgenden Zeilen eines deutlich werden: Nur weil die überwiegende Mehrheit der Verbraucher durch Ihre Benutzergewohnheiten ein Votum abgegeben hat, heißt das nicht, daß der daraus hervorgehende Sieger namens "MPEG1 Audio Layer3" kurz "MP3" auch als bester Kandidat unter den Bewerbern hervorgeht.

Einleitung
In diesem Artikel werden drei freie Programme zu den verlustbehafteten Audiodatenreduktionssstandards MP3 und Ogg Vorbis genauer unter die Lupe genommen. Dies sind im einzelnen der frei erhältliche Lame-MP3-Encoder, der frei erhältliche Blade-MP3-Encoder und die Freeware unter GNU-Lizenz namens OggVorbisDroppXPd 1.1 .
Kostenpflichtige Codecs wie mp3pro oder WMA bespreche ich hier nicht. Anhand zweier Audio-Beispiel wird die originalgetreue Wiedergabe, der Frequenzgang und das Impulsverhalten der Codecs genauer untersucht. Dabei orientiert sich der Test im wesentlichen an den Datentransferraten von 128kbit/s und 64kbit/s. Da Ogg Vorbis insbesondere für variable Datenraten optimiert ist, werden die daraus resultierenden Ergebnisse hier auch mit einbezogen. Bitraten über 128kbit/s erscheinen für den Test wenig sinnvoll, zumal höhere Datenraten auch zu längeren Übertragungszeiten im Internet führen und in einer Zeit, in der 56k-Modems noch weit verbreitet sind, nicht praktikabel sind.
In der Kürze soll allerdings erwähnt werden, daß ab ca. 160 bis 192kbit/s Musik von allen hier vorgestellten Encodern so gut dargestellt wird, daß selbst Experten Datenreduktion nur mit Mühe erkennen können. Demnach wäre eine Neuerung in diesem Bereich kaum sinnvoll, wenn es nicht um eine Reduzierung der Daten und somit um eine Beschleunigung der Internetübertragung ginge.


Was hören wir und was nicht?
Der menschliche Gehörsinn kann aufgrund seiner Bauart und der spezifischen Verschaltung von Nervenzellen nur einen Bruchteil der am Gehörgang anliegenden auditiven Informationen überhaupt verarbeiten und an unser Bewußtsein weiterleiten.
Das klingt zunächst negativ, ist aber aus verschiedenen Gründen äußerst sinnvoll. Trotz der hochgelobten Leistungsfähigkeit unseres Gehirns hat es doch seine Grenzen. Und wenn nur beschränkte "Rechenzeit" zur Verfügung steht, sollte man diese am sinnvollsten nutzen. Also wird nur das vom Gehör an das Bewußtsein weitergeleitet, was auch unserer Aufmerksamkeit bedarf.

Letztendlich ist es für ein Säugetier, ein solches ist der Mensch, in der freien Wildbahn wichtig, leiseste Geräusche wahrnehmen zu können. Insbesondere das sich von hinten nähernde Raubtier bedarf verständlicher Weise der Aufmerksamkeit. Da der Mensch aber auch zu den jagenden Spezies gehört (was man besonders gut an den nach vorn gerichteten Augen erkennen kann) kann es selbstverständlich auch von Nutzen sein, daß er sich davon schleichende Beutetiere ebenso gut hören kann. Letztendlich erweitert der Gehörsinn unser Wahrnehmungsfeld von ca. 170° (Sichtfeld) auf 360°.
Die meisten natürlichen auditiven Reize haben gemeinsam, daß sie meist an der unteren Grenze unserer Wahrnehmungsfähigkeit angesiedelt sind. Und es handelt sich häufig um impulshafte, knacksartige Geräusche. Bei lauten Geräuschen war es offensichtlich nicht von Vorteil, Lautstärken exakt differenzieren zu können. So hat die Evolution diesbezüglich bei uns das Phänomen hervorgebracht, daß wir leise Geräusche sehr gut in unterschiedliche Lautstärken diffenzieren können, aber bei Geräuschen nahe der Schmerzgrenze unsere Schwierigkeiten damit haben.

Auch scheint die Ortungsfähigkeit für tiefe Frequenzen in der Evolution nur eine untergeordnete Rolle gespielt zu haben. Jedenfalls besitzen wir und andere landbesiedelnde Säugetiere diese Fähigkeit nicht. Es hat sich bei uns eine spezifische Höremfpindlichkeitskurve entwickelt. Unsere Empfindlichkeit für unterschiedliche Frequenzen ist demnach keinesfalls "linear" wie bei Hifi-Geräten und Mikrofonen. Für mittlere Frequenzen um 2 kHz haben wir die höchste Empfindlichkeit. Für sehr hohe und sehr tiefe Frequenzen geht unsere Empfindlichkeit stark zurück.

Wenn wir uns auf einer Stehparty mit unserem Gegenüber unterhalten, ist es ebenso sinnvoll, daß wir die umgebenden Gespräche ausblenden können, um uns auf das direkte Gespräch konzentrieren zu können. Das erlaubt uns unser Gehörsinn, wie wir wissen. Wir sind sogar dazu fähig, plötzlich aus dem umgebenden Geräuschbrei hervortretende Einzelkomponenten sofort zu erkennen und unsere Aufmerksamkeit darauf richten. Zum Beispiel den eigenen Namen, geprochen vom Partygast am anderen Ende des Raumes, erkennen wir sofort. Einigen wird nachgesagt, daß sie in solchen Situationen auch sehr schnell auf das Wort "Sex" mit erhöhter Aufmerksamkeit reagieren. Es sind halt lebenswichtige Audioinformationen, denen wir unsere Aufmerksamkeit schenken.
Kurz: Dieses Phänomen wird in wissenschaftlichen Abhandlungen als der Coctail-Party-Effekt diskutiert und hat auch viel mit unserer Fähigkeit zu tun, Geräusche nicht nur Stereo, sondern mit Hilfe unserer Ohrmuscheln dreidimensional wahrnehmen zu können.

Noch eine Situation:
Im Regen nähert sich aus dem Wald ein zähnefletschende Raubtier. Hier wird deutlich, daß diese Situation eindeutig die Wahrnehmungsgrenzen unseres Gehörs austestet. Das Prasseln des Regens verdeckt effektiv das Ästeknacken. Auch erscheint es uns schwierig im Regen den einzelnen aufprallenden Regentropfen zu hören, wir nehmen das ganze eher als Rauschen wahr. Sehr unangenehm in einer derart prekären Lage. Alles in Allem werden nur die unserer Vorfahren überlebt haben, die sich am besten mit Ihren Sinnen in ihre Umwelt einfügen konnten.


Datenreduktion - die Natur macht es vor
Man kann bezüglich der Physiologie des menschlichen Gehörsinns insgesamt Folgendes festhalten: Frequenz-Verdeckungseffekt: Ein lautes Geräusch verdeckt ein leiseres Geräusch auf gleichen und eng benachbarten Frequenzbändern.
Impuls-Verdeckungseffekt: Kurz vor und nach einem lauten Impuls sind leisere Geräusche nicht mehr erkennbar.
Hörkurve: Nicht alle Frequenzen sind gleich deutlich zu erkennen. Im mittleren Bereich um 2kHz erkennen wir sehr gut leiseste Geräusche, im Baßbreich um 100Hz erkennen wir Geräusche erst bei sehr großen Lautstärken. Sehr hohe Frequenzen um 15kHz erkennen wir nach dem Alter unterschiedlich ebenfalls recht spät.

Wer mehr zum Funktionsprinzip unserer Hörorgane erfahren möchte, sollte im Hörphysiologietext auf meiner Homepage nachschauen.


Datenreduktion nachgemacht - die Technik
Man nimmt an, daß weniger als 5% aller am Ohr eintreffenden Audioinformationen an das Bewußtsein weitergeleitet werden.
So ist die Schlußfolgerung richtig, daß dementsprechend ein Musikstück theoretisch auch auf 5% "eingedampft" werden kann, ohne, daß der Mensch einen hörbaren Unterschied wahrnimmt. Vorausgesetzt, man spielt dem Hörer auch das vor, was in sein Bewußtsein weitergeleitet wird. Der vom Fraunhoferinstitut mitte der 80er Jahre entwickelte MPEG1 Audio-Layer 3 Algorithmus griff u.a. sehr früh diese Theorie auf und setzte sie praktisch um. Letztendlich ist so mit MP3 eine Datenreduzierung um den Faktor 1/10 (bei 128kbit/s) möglich. Man behauptete lange Zeit, daß es bei dieser Reduktionsstufe keine hörbaren Artefakte bei der Wiedergabe der MP3-Datei gibt. Diese Behauptung läßt sich jedoch nicht aufrechterhalten.
MP3-Audiodateien mit einer Datenrate von 128kbit/s zeigen deutliche Veränderungen im Stereopanorama und in der Abbildung der hohen Frequenzanteile. Und dabei ist es egal, welches Programm zur Encodierung benutzt wurde.

Unter den vielen frei erhältlichen MP3-Encodierprogrammen sind LAME und BLADE wohl die bekanntesten.
Um 1993 setzte die Entwicklung zu Ogg Vorbis ein. Im Sommer 2002 wurden die ersten offiziellen Encoder unter der freien GNU-Lizenz für Ogg Vorbis veröffentlicht.


Der Vergleichstest

Der Lame-Encoder
Der Lame Encoder ist in seiner Grundform ein Kommandozeilen-Programm. Es gibt aber eine Vielzahl von grafischen Windows-Bedienoberflächen, die die Benutzung des Lame-Encoders erleichtern. Zusätzlich ist Lame über Drag und Drop ansprechbar. Die Zieldateien werden dabei im Ordner der Quelldateien abgelegt. Als typischer Vertreter der MP3-Encoder zeigt sich LAME als einer der besten aus diesem Feld. Die Klangqualität ist recht anspruchsvoll, soll sogar besser sein, als sein Urvater, der Fraunhofer-Codec. Lame verweigert in der Grundeinstellung, bei 64kbit/s eine Stereo-Audio-Datei zu schreiben, dazu läßt er sich aber nach spezieller Aufforderung bewegen.

Bei 128kbit/s zeigt Lame einen typischen, annähernd linearen Frequenzgang bis ca. 16kHz. Hingegen wird bei 64kbit/s der ebenfalls linerare Frequenzgang etwas eingeschränkt und reicht etwa bis 15kHz (allerdings in Mono).
Wie für alle MP3-Encoder typisch, zeigt Lame ein recht schwaches Impulsverhalten bezüglich sehr hoher Frequenzen. Diese Frequenzanteile müssen schon etwas länger andauern, damit Lame sie für abbildungswürdig befindet. Bei 64kbit/s (mono) ist genau so wie bei 128kbit/s ein mögliches "Gurgeln" über der gesamten Musik nur schwach bis gar nicht wahrnehmbar, was mit gut zu benoten ist. Leider zeigt LAME wie alle mir bekannten anderen Encoder selbst bei 128kbit/s ein recht deutliches Säuseln in den Höhen. Auch die einleitend erwähnten Stereobildveränderungen (mit Tendenz zur Monoqualität) sind bei Lame sehr gut nachvollziehbar. Die letzten Punkte sind allesamt mit schlecht zu benoten und tragen zum mittelmäßigen Klang einer 128kbit-MP3-Datei bei.

64kbit-Stereo-Mp3s sollte man mit Lame nicht machen. Weder im Hochqualitätsmodus mit langer Rechenzeit und Frequenzanteilen bis ca.10500 Hz, noch bei niederer Qualität mit Frequenzanteilen bis 8kHz ist ein MP3-Stück genießbar. Es gurgelt und blubbert über den gesamten Frequenzbereich ab ca. 1kHz. Sprache läßt sich auf diese Art wohl noch brauchbar darstellen, alles andere quält den Hörer. Bleibt zu erwähnen, daß Lame im Gegensatz zu 128kbit-Stereo- und 64kbit-Mono-MP3s 64kBit-Stereo-Dateien nur mit einer Abtastrate von 22,5 kHz anstatt mit 44,1kHz schreibt, und somit schon rein physikalisch keine Töne über 11,25kHz darstellen kann. Es klingt nach einem Mittelwellenradio aus dem Abflußrohr.

Bei allen Abtastraten neigt der Lame-Encoder zur punktuellen Erzeugung von Frequenzen bis 22kHz. In diesen Fällen würde ich annehmen, daß es sich nicht um encodiertes Audiomaterial handelt, sondern eher um knacksartige Geräusche, die immer beim plötzlichen Einsetzen und Beenden von lauten Audiostellen (z.B. bei perkussiven Instrumenten) erzeugt werden.


Der Blade-Encoder
Hier handelt es sich ebenfalls um ein Kommandozeilenprogramm, welches allerdings recht komfortabel über Drag und Drop ansprechbar ist. Die Zieldateien werden im gleichen Ordner wie die Quelldateien abgelegt. Der Blade-Encoder ist bei 128kbit nur schwer vom Lame-Encoder zu unterscheiden. Er zeigt fast identische Eigenschaften. Lediglich vom Gefühl her neigt man zum Urteil, daß die Lame-MP3s irgendwie besser klingen. Der Frequenzgang geht bis 15kHz, was etwas unter der Leistung anderer MP3-Encoder bei dieser Datenrate liegt.
Im Frequenzspektrum tauchen anders als beim Lame-Encoder regelmäßig Lücken zwischen 6 und 8 kHz nach starken Impulsen (wie z.B. einem Snaredrum oder einem Basedrumschlag) auf. Alles in allem sind diese Ereignisse aber nicht als solche wahrnehmbar. Meiner Meinung nach führt dieses Verhalten aber dazu, daß man das Blade-Audiomaterial schlechter als das Lame-Audiomaterial empfindet.

Bei 64kbit/s-Stereo-MP3s zeigt sich der Blade-Encoder hingegen von seiner schlechtesten Seite. Es gurgelt und blubbert so stark, daß stellenweise die Musik im Geblubber untergeht und Instrumente bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt werden.
Der Blade-Encoder versucht in diesem Modus Töne bis 15kHz darzustellen, scheitert insgesamt aber kläglich. Da die Datenrate zur vollständigen Darstellung des Musikgeschehens nicht ausreicht, werden einzelne Frequenzbänder nacheinander bedient, was zu besagtem Blubbern führt. Anhaltendes weißes Rauschen quittiert der Blade-Encoder noch desolater als Rockmusik. Es werden bei weißem Rauschen sogar Frequenzbänder um 690Hz, 1000Hz und 2000Hz fast vollständig ausgeblendet, was alles andere als eine originalgetreue Wiedergabe des Ausgangsmaterial ist. Weißes Rauschen ist offensichtlich schwerer zu komprimieren als anderes Audiomaterial, da hier kaum Verdeckungseffekte ausnutzbar sind, um den Datenstrom zu reduzieren.
Letztendlich schneidet der Blade-Encoder bei 64kbit/s noch deutlich schlechter als der Lame-Encoder ab.

Bei allen Datenraten neigt der Bladeencoder ebenfalls zur Erzeugung von knacksartigen Geräuschen wie oben bereits für den Lame-Encoder beschrieben.


Der Ogg Vorbis Encoder
Das Encoderprogramm für Windows läßt nach dem Start ein kleines Fenster erscheinen, auf das man je nach Bedarf Dateien ziehen kann, die dann encodiert (oder im Falle von Ogg-Ausgangsdateien) decodiert werden. Die Zieldateien werden im gleichen Ordner wie die Quelldateien abgelegt. Einstellungen kann man über den Aufruf eines Kontextmenüs mit der rechten Maustaste tätigen.
Der Ogg-Vorbis Encoder schlägt alle am Markt befindlichen MP3-Encoder um Längen. Es werden bei 128kbit/s Töne bis über 20kHz dargestellt. Wobei hier mit höheren Datenraten auch Frequenzen oberhalb von 21kHz dargestellt werden können. Mit einer variablen Datenrate kommt man auch schon bei nominalen 128kbit/s in den Genuß von Frequenzen jenseits von 21kHz.
(Einzig und alleine einige gut hörende Jugendliche mit einem Alter zwischen 16 und 20 Jahren können diese Frequenzen gezielt wahrnehmen. Bei allen anderen Hörern führt die Darstellung dieser Frequenzen lediglich zur Wahrnehmung eines "natürlicheren" und "brillianteren" Klangbildes, nicht zuletzt auch deswegen, weil die Darstellung der hörbaren hohen Frequenzen um 15kHz ebenfalls besser ist und nicht zum MP3-typischen Säuseln neigt.)

Ogg Vorbis hat ebenfalls einen fast linearen Frequenzgang, der lediglich unter 500 Hz einige unbedeutende Unregelmäßigkeiten aufweist.
Mit fallenden Datenraten unter 128kbit/s wird das darstellbare Frequenzspektrum eingeengt. Bis 64kbit/s fällt die obere Grenzfrequenz auf 16kHz, was immer noch dem Standard bei 128kbit-MP3-Dateien entspricht. Im Gegensatz zu den meisten MP3-Encodern ist es bei Ogg-Vorbis möglich, alle beliebigen ganzzahligen Datenraten anzuwählen. Zusätzlich kann man sich zwischen variabler und konstanter Datenrate entscheiden.

Anders als MP3-Encoder ist OggVorbis fähig, Audiomaterial bei 64kbit/s adäquat wiederzugeben. Und das mit einer Qualität die in etwa MP3-Dateien mit 128kbit/s entspricht. Das ist ausgesprochen gut. Dies ermöglicht letztendlich gute Musikqualität in Stereo bei 64kbit/s, was kein MP3-Encoder bieten kann. An Artefakten treten die von MP3-Encodern bekannte Stereobildeinschränkung und ein sehr schwaches Säuseln bis Blubbern in den hohen Frequenzbändern auf.

Blubbern oder Säuseln ist bei Ogg Vorbis bei 128kbit/s nicht wahrnehmbar. Die Musik klingt perfekt und dürfte selbst von Experten nur äußerst schwer vom Original zu unterscheiden sein. Stereoeinschränkungen habe ich nicht wahrnehmen können. Wenn der Hörer nicht weiß, daß er datenkomprimierte Musik zu hören bekommt, bezweifle ich ernsthaft, daß er von sich aus bei 128kbit-Ogg Vorbis-Dateien darauf schließen könnte.

Abschließend möchte ich an dieser Stelle noch ein Detail nennen, welches mir bei Ogg Vorbis negativ aufgefallen ist. Versucht man Dateien mit einer Datenrate von unter 100kbit/s zu encodieren, hat der Ogg Vorbis Encoder Schwierigkeiten, wenn das Quellmaterial deutlich verrauscht ist. Hier entsteht ein unangenehmes Säuseln in den Höhen. Entrauscht man vor dem Encodieren das Ausgangsmaterial, so treten diese Artefakte nicht mehr auf.



Das Ergebnis

Unter den getesteten Encodern geht der Ogg Vorbis Encoder eindeutig als Sieger hervor. Sowohl subjektiv als auch meßbar erstellt er bei geringster Datenrate die besten Audiodateien. Er stellt bei 64kbit/s Höhen bis 16 kHz in Stereo dar. MP3 Encoder schaffen hier nur Frequenzanteile bis 10kHz. Ogg Vorbis Dateien zeigen relativ wenig Artefakte im Stereo-Audiomaterial bei 64kbit/s. MP3-Dateien sind bei dieser Datenrate aufgrund vieler Störgeräusche kaum noch zu genießen. Lediglich der Lame-Encoder bietet hier noch gutes Material in Mono an.

Bei 128kBit/s bietet Ogg Vorbis fast CD-Qualität.
Ogg Vorbis kostet nichts und aufgrund der freien Verfügbarkeit der Quelltexte sind in den nächsten Jahren weitere Klangverbesserungen bei extrem niedrigen Datenübertragungsraten zu erwarten. Keine Lizenzgebühren, kein Kopierschutz, sehr gute Qualität! Das Internetaudioformat der Zukunft.


Ergebnisse der Frequenzanalysen

Tabelle: Ergebnisse der Frequenzanalysen
Musikteststück (Archi and the Houserockers DEMO)
zeit-spektrum
archi-wav-44k-spektrum-k.gif (original)

...
zeit-spektrum
archi-lame-128-cbr-spektrum-k.gif


archi-lame128cbr.mp3
zeit-spektrum
archi-lame-64-cbr-spektrum-k.gif


archi-lame-64cbr-stereo.mp3
zeit-spektrum
archi-blade-128-cbr-spektrum-k.gif


archi-blade-128cbr.mp3
zeit-spektrum
archi-blade-64-cbr-spektrum-k.gif


archi-blade64kbit.mp3
zeit-spektrum
archi-ogg-128-cbr-spektrum-k.gif


archi-128cbr.ogg
zeit-spektrum
archi-ogg-128-vbr-spektrum-k.gif


archi-128vbr.ogg
zeit-spektrum
archi-ogg-64-cbr-spektrum-k.gif


archi-64cbr.ogg
zeit-spektrum
archi-ogg-64-vbr-spektrum-k.gif


archi-64vbr.ogg
Weißes Rauschen
zeit-spektrum
white-noise-blade-128kbit-cbr-spektrum-k.gif

fft
white-noise-blade-128kbit-cbr-fft.gif

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zeit-spektrum
white-noise-blade-64kbit-cbr-spektrum-k.gif

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white-noise-blade-64kbit.mp3
zeit-spektrum
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white-noise-lame-64kbit-cbr.mp3
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Literatur und Links:


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http://www.heise.de/newsticker/data/pen-13.04.00-000/
Neue Konkurrenz für MP3
Ogg Vorbis ist der Name eines neuen Audiokomprimierungs-Verfahrens, das sich als Alternative zu bereits etablierten Verfahren wie MP3 versteht. Es komprimiert Digital-Audio-Daten (44,1 bis 48 kHz) beziehungsweise Musikdaten mit festen und variablen Bitraten von 16 bis 128 kBit/s. Damit bietet es ähnliche Leistungen wie schon bekannte Verfahren - die Entwickler sprechen davon, dass sie in derselben Klasse wie MP3, AAC oder PAC mitspielen wollen. Das Besondere an Vorbis: Es ist Open Source, und es gibt nach Angaben der Entwickler weder patent- noch lizenzrechtliche Einschränkungen. [...]


http://www.heise.de/newsticker/data/daa-29.05.02-000/
Freie Spiele-Engine FreeCraft ermöglicht Spielen übers Internet
Kostenlose Spiele-Engines sind selten. Entsprechende Entwicklungsumgebungen, die nach den Bestimmungen der Open-Source-Lizenz GNU General Public License (GNU GPL ) gibt es kaum. Daher stützt sich die Hoffnung der Open-Source-Gemeinde auf das gleichnamige FreeCraft Media Projekt (FcMP), dessen Spiele-Engine FreeCraft , mit der sich derzeit 'nur' Strategiespiele im Warcraft 2-Look erstellen lassen, nach zwei Jahren Entwicklungszeit in der Version 1.17 mit zahlreichen Verbesserungen zum kostenlosen Download ins Netz gestellt wurde. [...]


http://www.heise.de/newsticker/data/nij-12.07.02-000/
Freies Audio-Format Ogg Vorbis glänzt golden
"The code went 'gold' tonight": Nach langer Entwicklungszeit hat der Audio-Codec und hoffnungsvolle MP3-Konkurrent Ogg Vorbis laut den Entwicklern in der vergangenen Nacht den Sprung zur Version 1.0 geschafft. [...]


http://www.heise.de/newsticker/data/mw-20.07.02-003/
Freier Audio-Codec Ogg Vorbis 1.0 ab sofort verfügbar
Jetzt wird es ernst für MP3 und den Microsoft-Audio-Codec WMA8: Nach jahrelanger Entwicklung steht die freie Komprimierungs-Software Ogg Vorbis 1.0 zum Download bereit. [...]


http://www.heise.de/newsticker/data/vza-22.08.02-000/
MP3 & Co.: Leihen Sie uns Gehör beim c't-Hörtes
Schenken Sie uns Gehör! Gemeinsam mit heise online sucht c't das Audiokompressionsformat, das klanglich die besten Anlagen mitbringt, der wahre MP3-Nachfolger zu werden. [...]


http://www.heise.de/newsticker/data/anw-08.09.02-000/
c't-Hörtest: Voller Sound bei halbierter Dateigröße Seit nunmehr fünf Jahren ist MP3 das Format der Wahl für Musikdownloads aus dem Internet und platzsparende Archivierung ganzer CDs. Was das menschliche Ohr nicht hört, filtert MP3 heraus und reduziert Audio-Dateien auf diese Weise auf weniger als ein Zehntel ihrer ursprünglichen Größe. [...]


http://www.chip.de/produkte_tests/unterseite_produkte_tests_8731148.html
Testsieger OGG Vorbis: Kostenlose Spitzenqualität
Der Open-Source-Encoder in der Version 1.0 Pre RC4 hat weder vor Microsoft noch vor dem Fraunhofer Institut Respekt und bietet sowohl in Sachen Ausstattung als auch im Klang gute Ergebnisse. [...]


http://www.stuttgarter-zeitung.de/stz/page/detail.php/217066?_seite=1
LAME macht MP3 Beine
Bessere Klangqualität, höhere Kompression: Neue Musik-Encoder in Netz [...]Mit gerade mal 600 Kilobyte ist der Encoder von OGG Vorbis ein Leichtgewicht.(http://www.xiph.org/). [...]


http://www.mpex.net/news/archiv/00402.html
Ogg Vorbis 1.0 - Startschuss für die MP3 Alternative
[...] Was sich bereits während der Entwicklung abgezeichnet hat, bestätigt sich: Ogg Vorbis liefert hervorragende Ergebnisse, sowohl bei niedrigen Bitraten, als auch bei der hochwertigen Audiokodierung. Damit hat Ogg Vorbis das Potential, ein universeller Audio-Codec zu werden, der für Internetradio, portable Player und CD-Archivierung gleichermaßen geeignet ist. [...]


Bezugsquellen der Encoder


http://www.dailymp3.com/noframe.html
Sehr lange Download-Liste an Audio De- und encodern und anderen Programmen

LAME-Encoder "lame-3.92.zip" (552KB)
BLADE-Encoder "BEnc-0942-Win-i586.zip" (96KB)
OGG VORBIS Encoder "oggdropXPd.zip" (244KB)


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Musikproduktion Markus Fiedler
Homepage Markus Fiedler


Text vom 08.09.02 (letztes Update: 16.01.07)